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Menschenrechte sind unteilbar - Artikel AZ Landskrone 12.11.2018


Buch über Reichspogromnacht - Autor kommt nach Guntersblum

Guntersblum war überall. So wie hier demütigten im November 1938 im ganzen Deutschen Reich Einwohner ihre jüdischen Nachbarn. Und so wie überall wurde auch in Guntersblum lange darüber geschwiegen.

Jahrzehntelang lagen die Beweise in den Archiven: Fotos, die den Schandmarsch durch die Straßen zeigen, Polizeiprotokolle, Gerichtsurteile.

80 Jahre nach dem Verbrechen hat der Autor Sven Felix Kellerhoff, leitender Redakteur bei der Tageszeitung „Die WELT“, darüber ein Sachbuch geschrieben. Es zeigt am Beispiel Guntersblums, wie in einem ganz normalen Dorf der antisemitische Hass „ganz normal“ wurde: wie aus Nachbarn Juden wurden. Stellt Kellerhoff damit Guntersblum an den Pranger? Warum werden im Buch die Namen der Täter genannt? Die Buchveröffentlichung im Sommer hat bei manchen Einwohnern Gesprächsbedarf provoziert.

Interessierte Fragen beantwortet der Autor nun selbst: im Rahmen einer Lesung
am Mittwoch, dem 14.11.2018
 im evangelischen Gemeindehaus Guntersblum
 um 19:00 Uhr - der Eintritt ist frei.

Die Moderation übernimmt Dr. Gunter Mahlerwein, veranstaltet wird der Abend von der Stolpersteingruppe Guntersblum.



Stolpersteine in Guntersblum

 

 Das Grauen begann nicht erst in Auschwitz, Treblinka oder in anderen Lagern …

… es begann in unserer Gemeinde, in unserem Alltag, in unserer Straße, vor unserer Tür

Was sind denn Stolpersteine ?

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Sie sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnstätten der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen.

Gunter Demnigs Intention ist unter anderem den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein.

Außerdem soll die Markierung der Tatorte – häufig mitten in dicht besiedelten Bereichen – die von einigen Zeitzeugen vorgebrachte Schutzbehauptung, dass man von den Deportationen nichts mitbekommen habe, in Frage stellen.

Trotz der Bezeichnung Stolpersteine geht es Demnig nicht um ein tatsächliches „Stolpern“. Er zitiert auf die Frage nach dem Namen des Projektes gerne einen Schüler, der nach der Stolpergefahr gefragt antwortete: „Nein, nein man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“.

Mögen die Gedenksteine neben der steten Erinnerung an die Opfer auch als Mahnung dienen, damit sich solch unglaubliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit nie mehr wiederholen.

 

 

   
© Stolpersteingruppe Guntersblum