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80 Jahre Pogrom - Gedenken in Guntersblum

Der Guntersblumer Rathausplatz ist ein Tatort. Ein Ort, an dem heilige Gegenstände verbrannt, Menschen gedemütigt, verletzt wurden. Die Opfer? Guntersblumer. Die Täter? Guntersblumer. Zwei kamen dafür ins Gefängnis, für einige Wochen, alle anderen nicht.

Die, die sie misshandelt hatten - weil sie Juden waren, starben in den Konzentrationslagern der Nazis oder konnten fliehen. Viele Jahrzehnte war das Schweigen in Guntersblum darüber größer als das Erinnern an die Opfer. Sie selbst stehen nun im Zentrum der Veranstaltung, zu der die Stolpersteingruppe einlädt:

am 10. November um 18 Uhr auf dem Rathausplatz.

Im Rahmen einer Mahnwache zeugt der ausführliche Bericht eines Überlebenden von den Geschehnissen, die den Rathausplatz und die Straßen Guntersblums vor 80 Jahren zum Tatort gemacht hatten - und Guntersblumer zu Tätern. Im weiteren Verlauf der Mahnwache werden die  diesjährigen Konfirmanden die  Namen der Opfer verlesen.


Stolpersteine in Guntersblum

 

 Das Grauen begann nicht erst in Auschwitz, Treblinka oder in anderen Lagern …

… es begann in unserer Gemeinde, in unserem Alltag, in unserer Straße, vor unserer Tür

Was sind denn Stolpersteine ?

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Sie sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnstätten der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen.

Gunter Demnigs Intention ist unter anderem den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein.

Außerdem soll die Markierung der Tatorte – häufig mitten in dicht besiedelten Bereichen – die von einigen Zeitzeugen vorgebrachte Schutzbehauptung, dass man von den Deportationen nichts mitbekommen habe, in Frage stellen.

Trotz der Bezeichnung Stolpersteine geht es Demnig nicht um ein tatsächliches „Stolpern“. Er zitiert auf die Frage nach dem Namen des Projektes gerne einen Schüler, der nach der Stolpergefahr gefragt antwortete: „Nein, nein man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“.

Mögen die Gedenksteine neben der steten Erinnerung an die Opfer auch als Mahnung dienen, damit sich solch unglaubliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit nie mehr wiederholen.

 

 

   
© Stolpersteingruppe Guntersblum