Schule und Judenbad

 

Die jüdische Schule in Guntersblum

Dem gründlich renovierten und verputzten Wohnhaus Viehgasse 1 ist weder von außen noch von innen seine bewegte Geschichte anzusehen. Eine Guntersblumer Gebäudeliste, erstellt um 1800, zählt eine "Juden Schule" auf, bezeichnet nach dem damaligen Sprachgebrauch aber die Synagoge. Das Regierungsblatt vermeldete am 15.2.1826, dass die Juden im Großherzogtum Hessen beschlossen haben, ihre Kinder in christliche Schulen zu schicken. Demnach hat es wahrscheinlich 1826 auch hier noch keine jüdische Schule gegeben.

Die ehemalige jüdische Schule in Guntersblum
Viehgasse 1, heute ein Wohnhaus

 

Das Judenbad

Es war - und ist noch heute - üblich, ja Vorschrift, dass jüdische Gemeinden in unmittelbarer Nähe ihrer Synagoge eine Miqwe, ein kultisches Reinigungsbad, unterhalten. In Guntersblum befand es sich unmittelbar vor der östlichen Mauer der Synagoge. Dort ist ein heute noch zugänglicher Keller. Durch einen Kellerhals stieg man mehrere Meter tief hinab in einen Raum, den die Bewohner der ehemaligen Judenschule noch in den 50er Jahren dieses Jahrhunderts als kühlen Vorratskeller nutzten. Es ist anzunehmen, dass die untersten Stufen der Kellertreppe bei ihrem Bau unter dem Grundwasserspiegel lagen, so dass hier die Miqwe war.

Diese Skizze zeigt, wie die ehemalige Synagoge, die Judenschule
und das Judenbad (Miqwe) angeordnet waren.

 

Der Kreisrat verfügte in einem Schreiben vom 22.2.1840, daß "für die nun ins Leben getretene israelitische Volksschule" ein Schulvorstand zu bilden sei. Einem Brief vom Vorstand der israelitischen Gemeinde an den Ortsvorstand vom 16.1.1844 ist zu entnehmen, daß die Schule für 1700 bis 1800 Gulden unter "großen Opfern" aus Mitteln der israelitischen Gemeinde errichtet wurde. Nach einer Mitteilung vom Kreisrat an den Bürgermeister vom 1.10.1842 war die Schule auch gleichzeitig "Badehaus".

 

 

 

 

   
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